Zum Hauptinhalt springen

Wann die Altersrente über dem Grundsicherungsniveau liegt

(verpd) Vor rund zwei Jahren musste rechnerisch ein Arbeitnehmer mit einem Durchschnittsgehalt über 27 Jahre lang in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sein und Beiträge zahlen, um Anspruch auf eine Rente in Höhe der Grundsicherung zu erhalten. Im Jahr 2000 waren es noch 23 Jahre. In der Zukunft könnten die notwendigen Beitragsjahre sogar eher steigen als abnehmen. Dies ist das Ergebnis einer Studie auf Basis einer Simulationsrechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin), die vor Kurzem veröffentlicht wurde.

Der Unterschied zwischen der durchschnittlichen ausbezahlten gesetzlichen Altersrente mit einem Nettobetrag vor Steuern von 954 Euro und der durchschnittlichen Grundsicherung im Alter (einer Sozialhilfeleistung) mit einem Bruttobedarf von 813 Euro lag 2019 unter 150 Euro. Dies zeigen Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) und des Statistischen Bundesamtes (Destatis).

Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) muss mit Stand 2018 ein Arbeitnehmer mit einem Durchschnittsverdienst 27,4 Jahre lang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) einzahlen, damit seine Altersrente überhaupt die Höhe der Grundsicherung erreicht. Zur Jahrtausendwende, also im Jahr 2000, waren es noch 23,2 Jahre. Zwar wird gemäß DIW bis 2025 mit einem Rückgang auf 26,5 Jahre gerechnet, aber bis 2038 dann ein Anstieg auf rund 28 notwendige GRV-Beitragsjahre prognostiziert.

Berechnungen von Altersrente und Grundsicherung

Grundlage für diese Aussagen sind Simulationsberechnungen, die der Frage nachgegangen sind, wie lange ein Arbeitnehmer mit einem Durchschnittsgehalt in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen muss, um eine Altersrente in Höhe der Grundsicherung zu erhalten. Als Durchschnittsgehalt wurde das durchschnittliche Bruttogehalt eines gesetzlich Rentenversicherten angenommen. 2018 lag dies noch bei monatlich 3.184 Euro, 2020 bereits bei knapp 3.380 Euro.

Die DIW-Berechnungen bis zum Jahr 2045 haben ergeben, dass künftig die Anzahl dieser Mindestbeitragsjahre, also der Jahre, die ein Arbeitnehmer mit einem Durchschnittsgehalt in die GRV einzahlen muss, um eine Altersrente auf Grundsicherungsniveau zu erhalten, noch steigen könnte. Ein Grund dafür sieht der DIW in der Entwicklung der Wohnkosten, denn bei der Berechnung der Grundsicherung spielen diese eine maßgebliche Rolle.

Grundsicherungsniveau hängt auch vom Mietniveau ab

Die Höhe der Grundsicherung setzt sich aus verschiedenen Positionen zusammen. Eine davon ist ein festgelegter Regelbedarf je nach Anzahl der Personen eines Haushaltes, der die Ausgaben des täglichen Lebens von Lebensmitteln, Bekleidung bis hin zu Reparatur und Neuanschaffungskosten eines Haushaltes abdecken soll. Eine weitere Position bezieht sich auf die Unterkunftskosten wie Miete, Heizungs-, Strom- und Wasserkosten.

Bei der Grundsicherung werden auch Kosten für eine angemessene Kranken-, Pflege- und Sterbegeldversicherung sowie für einen möglichen Mehrbedarf für bestimmte Personengruppen wie Gehbehinderte, die im Vergleich zu anderen zusätzliche Kosten haben, berücksichtigt. Bei der DIW-Studie wurde das verwendete Grundsicherungsniveau auf Basis eines Ein-Personen-Haushalts ohne Mehrbedarf ermittelt.

Bei hohen Wohnkosten ist eine höhere Mindestbeitragszeit nötig

Die Höhe der Grundsicherung bemisst sich demnach auch nach einer regional angemessenen Miete. Das heißt, in Regionen mit hohen Mietkosten werden höhere Unterkunftskosten übernommen als in Regionen mit einem niedrigen Mietniveau. Damit hängt die Höhe der Grundsicherung auch vom Mietniveau ab. Laut DIW gilt daher: „Dort, wo die Wohnkosten schon hoch sind und noch weiter steigen dürften, etwa in großen Städten und Ballungszentren, wird die Mindestbeitragszeit zur Vermeidung von Grundsicherung im Alter wohl stärker steigen als andernorts.“

„Besonders in großen Städten lebende Menschen mit unterdurchschnittlichen Gehältern müssen länger in die Rentenversicherung einzahlen, um später mehr rauszubekommen als eine Rente auf Grundsicherungsniveau“, sagt Johannes Geyer, stellvertretender Leiter der Abteilung Staat am DIW Berlin.

Damit die Alterseinkünfte hoch genug sind

Informationen, wer einen Anspruch auf eine Grundsicherung im Alter hat und wie diese Leistung zu beantragen ist, enthalten die Webauftritte der DRV und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sowie die herunterladbare DRV-Broschüre „Die Grundsicherung: Hilfe für Rentner“. Nach Angaben des DRV sollte jeder, der im Rentenalter ein monatliches Gesamteinkommen, also Altersrente zuzüglich sonstiger Einkünfte von durchschnittlich unter 893 Euro hat, beim Sozialamt prüfen lassen, ob er nicht einen Anspruch auf eine Grundsicherung im Alter hat.

Möchte man im Erwerbsleben verhindern, dass man im Rentenalter auf eine Grundsicherung angewiesen ist und zudem den bisherigen Lebensstandard auch künftig sicherstellen, ist es sinnvoll, möglichst früh eine ausreichende Altersvorsorge aufzubauen. Wie hoch die voraussichtliche Rentenlücke ohne zusätzliche Vorsorge tatsächlich sein wird und welche individuell bedarfsgerechten Altersvorsorgeformen dafür infrage kommen, erfährt man beim Versicherungsvermittler.

Zurück